22 Jahre RZB: Ein Rückblick

Dr. Walter Rothensteiner

Mit der Verschmelzung von Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) und Raiffeisen Bank International AG (RBI) ist für mich eine 22-jährige Periode als Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der RZB sowie nun auch als RBI-Aufsichtsratsvorsitzender zu Ende gegangen. Wenn ich auf diesen Zeitraum zurückblicke, tue ich dies mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Freude über das Erreichte.

Dankbarkeit deshalb, weil es etwas Besonderes ist, an verantwortlicher Stelle bei Raiffeisen arbeiten und mitgestalten zu dürfen. Unsere Raiffeisen-Werte, die heute aktueller sind denn je, sind keine leeren Formeln. Sie werden von uns gelebt und sie verbinden uns. Wenn wir Dinge miteinander vereinbaren, dann dauert das manchmal etwas länger. Dafür halten unsere Abmachungen dann auch. Wir sind als Raiffeisen Bankengruppe, das habe ich oft gesagt, eben kein Konzern und schon gar keiner, der auf Knopfdruck funktioniert.

Dankbar bin ich auch für die Zusammen­arbeit mit den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Kolleginnen und Kollegen, die mich in den 22 Jahren begleitet haben. Ohne Teamarbeit und Zusammenhalt wäre das, was wir in dieser Zeit erreicht haben, nicht möglich gewesen. Wir haben die Jahrhundertchance, ausgelöst durch den Fall des Eisernen Vorhangs, entschlossen genutzt. Wir haben die größte Finanzkrise seit Jahrzehnten und den darauf folgenden regulatorischen Tsunami überstanden. Und nun machen wir uns fit für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters.

Haben wir in dieser Zeit Fehler gemacht? Ja, selbstverständlich. Wer Entscheidungen trifft, der macht auch Fehler. Aber nur derjenige, der Entscheidungen trifft, kann auch etwas richtig machen. In Summe können wir auf eine sehr gute Bilanz blicken. Sie ruht auf starken Pfeilern:

  • auf einer deutlich verbesserten Kapitalisierung, die wir zwischen 2010 und heute um mehr als 3 Prozentpunkte oder 2,5 Milliarden Euro gestärkt haben;
  • auf einem hervorragenden Kommerzkundengeschäft in Österreich und
  • auf starken Tochterunternehmen, die in Österreich und Zentral- und Osteuropa durchwegs zu den Marktführern zählen.

Die RBI ist heute die einzige österreichische Großbank, die sich noch mehrheitlich in österreichischem Besitz befindet. Entscheidungen über ihre Zukunft werden hier in Österreich getroffen und nicht in einer ausländischen Konzernzentrale. Das ist auch der Grund, warum wir die Einschnitte, die wir in den vergangenen Jahren auch in Österreich vornehmen mussten, fairer und sozialer gestalten konnten als viele unserer Mitbewerber. Wir dürfen uns aber nicht auf unseren Erfolgen ausruhen oder gar selbstgefällig sein. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auch die künftigen Herausforderungen mit unserem „Raiffeisen-Geist“ gut meistern werden. 

Abschließend möchte ich mich bei den Raiffeisenlandesbanken und ihren Vertretern in den Gremien bedanken. Sie sind nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei aufziehenden Wolken zur RZB und zur RBI gestanden. Ihre Unterstützung ermöglichte die außergewöhnliche Entwicklung ihres Zentralinstituts in diesen 22 Jahren. Ich möchte keines davon missen!

Dr. Walter Rothensteiner ist Generalanwalt des  Österreichischen Raiffeisenverbandes.