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Thema: Geschäftspolitik zurück

Ist eine Ergebnissteigerung für 2012 noch möglich?

Prok. Mag. Roman Schlosser, Heft 12/2011

SchlosserDas aktuelle volkswirtschaftliche Umfeld, die damit zusammenhängenden Verwerfungen an den Finanzmärkten sowie die nahende Einführung von Basel III, haben einen negativen Einfluss auf die Ergebnislage der Raiffeisenbanken für das kommende Jahr. Davon betroffen sind sowohl die Ergebnisse des Kundengeschäfts als auch des Nostro-Depots. Die rechtzeitige Einleitung von Gegensteuerungsmaßnahmen im Rahmen der Gesamtbanksteuerung ist notwendig.

Die angespannte Verschuldungssituation mancher Staaten in der Eurozone sowie das schwächer werdende Wirtschaftswachstum haben die EZB veranlasst, bereits im November 2011 eine Senkung des Leitzinssatzes um 25 BP vorzunehmen. Damit wurde der Aufwärtstrend der Zinsen im 1. Halbjahr gestoppt.

Kundengeschäft: Margendruck steigt

Verlangsamt sich die konjunkturelle Dynamik oder kommt es sogar zu einer Rezession, wird die EZB noch weitere Zinssenkungsschritte setzen. Angesichts der weiterhin zu erwartenden sinkenden Zinskurve und der damit verbundenen Reduktion der Aktivkonditionen über die Zinsgleitklauseln ist eine Beibehaltung der Zinserträge wohl nur über eine Erhöhung der Aufschläge im Neugeschäft oder eine Steigerung der Kreditvolumina möglich. Beides scheint unter den herrschenden Rahmenbedingungen schwierig. Steigender Wettbewerbsdruck führt zu immer geringeren Konditionen im Neugeschäft. Unternehmen stellen aufgrund der unsicheren zukünftigen Entwicklung ihre Investitionen zurück.
Der Stagnation der Zinseinnahmen auf der Aktivseite stehen mögliche Erhöhungen der Einlagenzinssätze auf der Passivseite gegenüber, wodurch insgesamt mit einer Einengung der Zinsspanne zu rechnen ist. Da insbesondere „stabile Kundeneinlagen“ eine zentrale Rolle zur Erreichung der Zielvorgaben von Basel III einnehmen werden, ist mit einem zunehmenden Kampf um die Spareinlagen zu rechnen. Die aktuelle Konditionenpolitik der Mitbewerber, die bereit sind Höchstkonditionen für Kundeneinlagen zu bezahlen, zeigt das bereits im heurigen Jahr. Dies ist auf die anstehende Umsetzung von Basel III bzw. den neuen Liquiditätsanforderungen (Liquidity Coverage Ratio: LCR; Net Stable Funding Ratio: NSFR) unter dem derzeitig vorliegenden Rahmenwerk zurückzuführen. Nach den vorliegenden Quantitative-Impact-Studien vom Dezember 2010 erfüllen Banken europa- und weltweit durchschnittlich noch nicht die Vorgaben der LCR und NSFR. Wenngleich diese Kennzahlen nach derzeitigem Stand erst mit 1. 1. 2015 bis 2018 einzuhalten sind, so sind sie schon im Vorfeld zu berechnen und zu berichten. Darüber hinaus sind die Jahre bis zur Umsetzung dieser Kennzahlen dazu zu nutzen, um entsprechende Maßnahmen zur Einhaltung dieser Vorgaben einzuleiten und umzusetzen.

Nostro-Geschäft: Effektivverzinsung sinkt

Die zu erwartende sinkende Zinskurve führt zu einem doppelten negativen Effekt in die Nostroerträge. Durch die Geldmarktbindung der Liquiditäts- bzw. Mindestreserve wird die Verzinsung weiter sinken. Ebenfalls negativ wird sich das Ergebnis der Floater-Papiere entwickeln. Die Wiederveranlagungsrendite für ablaufende Wertpapiere sowie neu aufzubauende Positionen ist aufgrund des niedrigen Zinsniveaus deutlich gesunken. Die tendenziell flachere Zinskurve wird es für die Raiffeisenbanken auch schwieriger machen ähnlich hohe Strukturbeiträge wie bisher zu erzielen.


Grafik

Ebenso werden Ertragssteigerungen zunehmend durch die neuen regulatorischen Vorgaben aus Basel III eingeschränkt. Unter Berücksichtigung des aktuellen Diskussionsstandes wird es zur Vorhaltung ausreichender Liquidität wichtiger, verstärkt in Wertpapiere mit bester Bonität bzw. vorhandener Marktliquidität zu investieren. Dies könnte somit auch im nächsten Jahr durch den verstärkten Nachfragedruck zu weiterhin verminderten Renditen dieser Anleihen führen und damit Erträge aus dem Nostro-Geschäft schmälern.

Maßnahmen zur Ergebnisstabilisierung

Eine spürbare Erhöhung der Zinseinnahmen aus dem aktivseitigen Kundengeschäft ist insbesondere über Weiterverrechnung der Liquiditätskosten und einer damit verbundenen Erhöhung der Aufschläge im Neugeschäft sicherzustellen. Die langfristige zur Verfügungstellung von Kapital muss dementsprechend bepreist werden. Eine konsequente Verrechnung von Kreditbearbeitungsgebühren kann Zusatzerträge bringen.
Die Stabilisierung des Zinsaufwands aus dem Kundengeschäft kann durch eine konsequente Konditionenpolitik erreicht werden. Solange das Renditebewusstsein der Kunden nicht im Vordergrund steht, sondern die kurzfristige Bindung bzw. die sichere Veranlagung wichtig sind, besteht eine große Chance die Konditionen tief zu halten. Die Nähe zum Kunden sowie die Vertrauensbeziehung wird ebenso verstärkt eine Rolle spielen und kann den Preisdruck auf die Spareinlagensätze unter Umständen reduzieren. Regionalität und Sicherheit sind vertraute Werte, die wir im Bewusstsein unserer Kunden weiter vertiefen müssen.

SchlosserAuch eine Steigerung der Provisionserträge ist notwendig, um die Gesamtbankergebnisse zu stabilisieren. Die Benchmarks zeigen klare Ertragssteigerungspotenziale in allen Produktsparten. Durch die Erhöhung der Schlagzahl und Schlagkraft können die Potenziale gehoben werden. Eine Professionalisierung der Vertriebssteuerung und klare Zielsetzungen durch die Vertriebsverantwortlichen sind Voraussetzungen, um Zusatzgeschäfte abzuschließen.
Die Beratung und Betreuung von Kunden in sämtlichen finanziellen Angelegenheiten ist eine wesentliche Grundlage, um die Cross-Selling-Quote weiter auszubauen. Je intensiver die Geschäftsbeziehung zwischen Kunde und Bank ist, umso weniger abwanderungsgefährdet sind diese Kunden. Wodurch im Umkehrschluss auch positive Effekte auf die Liquiditätsraten nach Basel III möglich sind, wo der Gedanke der stabilen Einlagen auch auf der Qualität der Geschäftsbeziehung zwischen Kunde und Bank beruht.

Schlosser


Nachdem die Ertragspotenziale diskutiert wurden, ist auch das Kostenmanagement als Möglichkeit einer nachhaltigen Ergebnisstabilisierung zu beachten. So können schon im Rahmen der Budgetierung für das nächste Jahr Maßnahmen angedacht werden, wie die Kosten der jeweiligen Raiffeisenbank zumindest stabil gehalten oder gesenkt werden können. Ein Ansatzpunkt kann hierbei insbesondere die Nicht-Nachbesetzung von frei werdenden Stellen sein. Eine kritische Hinterfragung der bestehenden Organisation sowie der in der Bank etablierten Prozesse ist dafür notwendig. Es ist zu klären welchen Service-Level wir uns in Zukunft intern aber auch zum Kunden hin noch leisten können. Die Produktivität zu beachten (z. B. Anzahl aktive Kunden im Verhältnis zur Mitarbeiterkapazität) wird zunehmend wichtiger.
Zur Unterstützung der Steuerungsansatzpunkte empfiehlt es sich im Rahmen der Mitarbeitergespräche konkrete Ziele zu vereinbaren. Gerade unter den schwierigen Rahmenbedingungen ist es für alle Mitarbeiter noch wichtiger eine klare Orientierung zu haben. Eine Implementierung von erfolgsorientierten Entlohnungsmodellen bietet der Geschäftsleitung von Raiffeisenbanken die Möglichkeit, entsprechende geschäftspolitische Schwerpunkte umzusetzen und die Zielerreichung an Konsequenzen zu knüpfen.

Zusammenfassung

Bedingt durch die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und durch die anstehende Basel III-Umsetzung kann es bereits für 2012 entsprechende Auswirkungen für Banken geben. Diesbezüglich gilt, sich als Raiffeisenbank über die wesentlichen Stellhebel zur Ertragsgenerierung bzw. Ergebnisstabilisierung bewusst zu werden.
Wie die Ausführungen zeigten, gibt es nicht nur einen Hebel, der sämtliche Ertragsschmälerungen eliminiert. Vielmehr müssen mehrere Steuerungsmaßnahmen gesetzt werden, um die Ertragskraft und die nachhaltige positive Entwicklung der Raiffeisenbank sicherzustellen.

Mag. Roman Schlosser ist Leiter des Raiffeisen-Consulting in der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien.