Thema: Finanzmarktaufsicht

Steigendes Investmentexposure österreichischer Kreditinstitute in Hedgefonds

Dr. Heinrich Traumüller, Timo Broszeit, Heft 7-8/2006

Als Anlageklasse gewinnen Hedgefonds auch bei österreichischen Banken immer mehr an Bedeutung. Eine aktuelle Erhebung von FMA und OeNB zeigt, dass sich das Investmentvolumen im Jahr 2005 beinahe um die Hälfte erhöht hat. Gleichzeitig zeigt sich bei den meisten Instituten ein relativ konservatives Anlageverhalten. Inwiefern jedoch das Risikomanagement in den Banken die besonderen Eigenschaften von Hedgefonds abbilden und beherrschen kann, wird zukünftig im Rahmen des Supervisory Review Process, der zweiten Säule von Basel II, zu evaluieren sein.

Ein anhaltend starkes Wachstum zeigt sich derzeit am weltweiten Hedgefonds-Markt: Nach aktuellen Schätzungen beläuft sich das in Hedgefonds veranlagte Vermögen auf rund 1.200 Mrd. US$ und damit doppelt soviel wie noch vor vier Jahren1). Mittelzuflüsse in Höhe von rund 300 Mrd. US$ und eine durchschnittliche Performance von 6,4 % pro Jahr seit Ende 2001 leisteten beide in etwa einen gleichen Anteil zu dieser Steigerung des verwalteten Vermögens (siehe Abb. 1).



Das rasante Wachstum, aber auch die für die Branche typische Intransparenz ließen Politiker und Aufsichtsbehörden spätestens seit der LTCM-Krise 1998 über die Risiken von Hedgefonds für die Stabilität der Finanzmärkte diskutieren2). Als bedeutsam wird dabei insbesondere die Gefahr des Austrocknens der Liquidität in einzelnen Segmenten des Finanzmarktes in Folge einer weitläufigen Hedgefonds-Krise gesehen. Nach wie vor vage sind jedoch Aussagen über mögliche Ansteckungseffekte, die vom Zusammenbruch eines größeren Hedgefonds auf den Bankensektor ausgehen könnten, in dem einzelne Institute als Investoren, Kreditgeber oder Geschäftspartner von Hedgefonds auftreten.

Um die Verbindungen zwischen Kreditinstituten und Hedgefonds etwas näher zu beleuchten, hat das Banking Supervision Committee der Europäischen Zentralbank in Kooperation mit den nationalen Notenbanken im Frühjahr 2005 eine erste Befragung zum Hedgefonds-Exposure durchgeführt, an der auch österreichische Banken teilgenommen haben3). Im März und April 2006 haben Finanzmarktaufsicht und Oesterreichische Nationalbank in einer neuerlichen – auf die lokalen Verhältnisse zugeschnittenen – Umfrage das Exposure ausgewählter österreichischer Kreditinstitute gegenüber Hedgefonds erhoben. Befragt wurden 29 Banken, darunter alle Großbanken sowie weitere Institute, von denen ein Hedgefonds-Engagement bekannt war. In Summe repräsentieren die Teilnehmer der Befragung 77 % der unkonsolidierten Bilanzsumme des österreichischen Kreditsektors.

Diese Studie ist auf der FMA-Homepage http://www.fma.gv.at/de/fma/publikat/weiterep/wertpapi/hedge-fo.htm veröffentlicht.

Ergebnisse der Befragung

Gegenüber 2004 stieg das Investmentexposure im abgelaufenen Jahr um 48 % auf etwa 2,7 Mrd. EUR an (siehe Abb. 2). Vier der 29 Banken gaben an, nicht in Hedgefonds investiert zu sein; diese Institute machen 3 % der aggregierten Bilanzsumme aus. Zwei Banken investierten 2005 erstmals in Hedgefonds, und lediglich vier Institute reduzierten das Exposure im Jahresverlauf. In Relation zum haftenden Kernkapital Tier 1 belief sich das Hedgefonds-Investment zum Jahresende auf rund 11 %, nach 9 % im Jahr 2004. Das Kreditexposure gegenüber Hedgefonds spielt für österreichische Banken hingegen nach wie vor keine Rolle und belief sich 2005 nur auf einen zweistelligen Millionenbetrag.



Hedgefonds sind eine äußerst heterogene Anlageklasse, über die sich nur wenige allgemeine Aussagen zum Risikogehalt treffen lassen; so weisen verschiedene Anlagestile teils sehr unterschiedliche Risikoprofile auf4). Österreichische Kreditinstitute sind meist recht breit diversifiziert und veranlagen – direkt oder indirekt über Dach-Hedgefonds – in verschiedene Strategien, wobei die teilweise erheblichen Umschichtungen zwischen einzelnen Strategien im Jahr 2005 den Wandel der relativen Attraktivität widerspiegeln (siehe Abb. 3).



Deutlich rückläufig waren die Veranlagungen bei Convertible Arbitrage Fonds, deren Performance im abgelaufenen Jahr negativ war (–1,5 %). Erhöht wurde das Exposure gegenüber Ereignisstrategien (Distressed Securities, M&A Arbitrage) einer Anlageklasse, die sich besser als der Gesamtmarkt entwickelte (+5,5 %). Auch Multi-Strategy Fonds wurden verstärkt nachgefragt, was darauf hindeutet, dass eine breite Streuung des Portfolios angestrebt wird. Indem Investmententscheidungen ausgelagert werden, können so auch kleinere Kreditinstitute auf externes Knowhow von Dach- oder Multi-Strategy-Fondsmanagern zurückgreifen.

Generell spielt die Liquidität des Hedgefonds-Investments eine große Rolle für österreichische Kreditinstitute: Während beispielsweise US-amerikanische Investoren oder Pensionsfonds längere Lock-up Perioden und seltenere Redemption Dates akzeptieren5), sind bei österreichischen Banken 54 % der Investments innerhalb von einem Monat veräußerbar, weitere 32 % innerhalb von drei Monaten. Nur 3 % sind für mehr als sechs Monate gebunden, wobei auch hier meist die Möglichkeit besteht, das Investment unter Inkaufnahme eines Abschlags auf den Anteilswert (z. B. 5 %) vorzeitig aufzulösen.

Mehr als die Hälfte des weltweiten Hedgefonds-Vermögens ist in weniger regulierten offshore Märkten beheimatet6), hierzu zählen beispielsweise die Cayman Islands, Bermudas, aber auch die Kanalinseln oder die Isle of Man. Noch höher ist das Exposure österreichischer Banken gegenüber offshore domizilierten Fonds, wobei jedoch 2005 die Investments in europäische und sonstige onshore Fonds deutlich überproportional gewachsen sind: Waren Ende 2004 noch 82 % des Hedgefonds-Investments in offshore Fonds veranlagt, waren es ein Jahr später nur noch 67 %; der Anteil von Fonds, die aus der EU stammen, stieg demgegenüber von 15 % auf 26 %.

Ein wesentliches Ergebnis der Befragung ist, dass österreichische Banken vergleichsweise konservativ veranlagen. Dies zeigen die breite Streuung, die hohe Liquidität und ein moderater Leverage der Investments. Deutlich wird dies auch bei einem Blick auf die Performance nach Gebühren, die sich in den vergangenen beiden Jahren – von wenigen Ausnahmen abgesehen – bei den meisten Kreditinstituten in einer relativ engen Spanne zwischen 0 % und +7 % bewegte; der Median lag im Jahr 2005 bei +3,5 %, was exakt der Performance des Credit Suisse/Tremont Investable Hedge Fund Index entspricht (siehe Abb. 4). Gegenüber dem Vorjahr zeigt sich ein leicht rückläufiger Trend sowohl beim Benchmark-Index (2004: +5,3 %) als auch in der erzielten Performance der Banken (Median: +4,2 %).

Schlussfolgerungen für die Aufsichtstätigkeit

Für die Tätigkeit der Bankenaufsicht sind die Informationen über das Hedgefonds-Engagement der beaufsichtigten Institute von zentraler Bedeutung. So werden die Daten als Gesprächsgrundlage für Managementgespräche und die im Rahmen der zweiten Säule von Basel II neu zu etablierenden Risikogespräche herangezogen. Während in ersteren der Fokus auf der allgemeinen Strategie des Engagements, der Höhe des Exposures und der Performance liegt, werden in den Risikogesprächen detailliertere Fragen behandelt und auch qualitative Aspekte des Risikomanagements erörtert werden.

Die Risikogespräche sind ein Element des Supervisory Review Process der zweiten Säule von Basel II. Ziel ist es sicherzustellen, dass angemessene Risikomanagementsysteme etabliert und die Risiken des Bankgeschäftes jederzeit mit ausreichend ökonomischem Kapital (im Gegensatz zum regulatorischen Kapital der ersten Säule) unterlegt sind7).

Hedgefonds-Investments und Kredite an Hedgefonds stellen in diesem Zusammenhang besondere Anforderungen an das Risikomanagement und den internen Kapitalunterlegungsprozess: Besondere Marktrisiken entstehen durch das häufige Auftreten „extremer“ Kursschwankungen einzelner Hedgefonds-Strategien sowie durch schwierig zu modellierende Abhängigkeiten zwischen einzelnen Strategien beziehungsweise zwischen Hedgefonds und anderen Assetklassen wie Aktien oder Anleihen.

Darüber hinaus muss das Risikomanagement von Hedgefonds-Investoren und Kreditgebern auch die operationellen Risiken eines Hedgefonds berücksichtigen: Die Falschdarstellung von Vermögenswerten oder die Veruntreuung von Fondsvermögen zählen Erhebungen zufolge zu den wesentlichen Gründen für den Zusammenbruch von Hedgefonds8). Insofern ist eine Operational Due Diligence von Organisation und Prozessen der Fondsgesellschaft mindestens so wichtig wie die Prüfung der Eignung des Fondsmanagers und seiner Strategie.

Sollte die Finanzmarktaufsicht im Zuge ihrer Tätigkeit feststellen, dass das Risikomanagement eines Kreditinstituts nicht geeignet ist, die aus dem Hedgefonds-Exposure resultierenden Risiken adäquat abbilden und steuern zu können, so werden gemeinsam mit dem betroffenen Institut Nachbesserungen zu diskutieren sein. Die Vorschreibung zusätzlicher Eigenmittel als Unterlegung des erhöhten Risikos sollte hierbei nur als letzte Maßnahme dienen.
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Dr. Heinrich Traumüller ist Vorstandsdirektor der FMA; Herr Timo Broszeit ist Mitarbeiter der Abteilung für integrierte Finanzmärkte.

1) Hennessee; andere Quellen sprechen bereits von 1.500 Mrd USD (HedgeFundsIntelligence)
2) Vgl. beispielsweise SEC (2003) Implications of the Growth of Hedge Funds, FSA (2005) Hedge Funds:
A Discussion of Risk and Regulatory Engagement, Garbaravicius / Dierick (2005) Hedge Funds and Their Implications for Financial Stability (ECB Occasional Paper 34)
3) EZB (2005) Large EU Banks’ Exposures to Hedge Funds
4) FMA (2005) Hedge-Funds - Bedeutung am Finanzplatz Österreich und regulatorischer Rahmen
5) Deutsche Bank (2005) Alternative Investment Survey
6) Garbaravicius / Dierick (2005) Hedge Funds and Their Implications for Financial Stability (ECB Occasional Paper 34)
7) OeNB / FMA (2006) Leitfaden zur Gesamtbanksteuerung – Internal Capital Adequacy Assessment Process
8) CAPCO (2003) Understanding and Mitigating Operational Risk in Hedge Fund Investments