Thema: Euro

Österreichs Banken ziehen erfolgreiche "Euro-Bilanz"

Dr. Walter Rothensteiner, Heft 3/2002

Sieben Jahre Vorbereitung haben sich gelohnt. 95 % der österreichischen Bevölkerung stellen den Banken für die Euro-Umstellung ein gutes Zeugnis aus.

Für die österreichische Kreditwirtschaft war das Großprojekt Euro-Umstellung eine besondere Herausforderung. Mit der Einführung des Euro-Bargeldes wurde die intensive, bereits seit 1995 laufende Vorbereitung der Kreditwirtschaft erfolgreich abgeschlossen. Sieben Jahre Vorbereitung, der Einsatz von tausenden unserer MitarbeiterInnen und gut funktionierende Kooperationen mit Handel, Tourismus, OeNB und Exekutive haben sich gelohnt. Die neuesten Umfrageergebnisse des Market Instituts ergaben, daß für 95 % der Bevölkerung die Umstellung gut oder sehr gut funktioniert hat. Die Kreditinstitute haben dazu wesentlich beigetragen. Ein positives Zeugnis wird den Banken insbesondere für die Konto- und Sparbuchumstellung sowie für das Umwechseln des Bargeldes ausgestellt.

Projektumfang

Die Herausforderung der gesamten Euro-Umstellung umfaßte die Vorbereitungen auf die Währungsumstellung und die Euro-Fähigkeit im Bereich des Kapitalmarktes, des unbaren Zahlungsverkehrs sowie die organisatorische und rechtliche Umstellung zum 1.1.1999 (Phase I) als auch die Euro-Bargeldeinführung zum 1.1.2002 mit der Vorverteilung ab 1.9.2001 und der 2-monatigen Doppelbargeldphase (Phase II). Neben den Vorbereitungen der einzelnen Institute wurde dazu bereits im Februar 1995 mit der „Plattform Währungsunion" in der Bundeskreditsektion der organisatorische Rahmen eingerichtet. Zahlungsverkehrsfragen wurden dabei im Rahmen der Studiengesellschaft für die Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr (STUZZA) behandelt. Für eine erfolgreiche Bewältigung dieser Aufgabe, alleine bei der Euro-Bargeldeinführung, war besonderer Einsatz erforderlich.

Personaleinsatz

Mehr als 3.000 BankmitarbeiterInnen waren von Februar 2000 bis März 2002 mit dem Schwerpunkt Euro beschäftigt. Ca 10.000 Mitarbeiter, das ist jede(r) 7. Bankmitarbeiter(in) waren allein mit Umstellungsarbeiten zum Jahreswechsel beschäftigt, um die notwendigen Tests, die Umstellung der Geldausgabeautomaten, die Kontenumstellung und den Jahresabschluß durchzuführen.

Um den Kunden - etwa für den Verkauf der Startpakete und den Tausch Schilling/Euro - ausreichendes Service bieten zu können, waren im Vertrieb zusätzliche Mitarbeiter von Mitte Dezember 2001 bis Mitte Jänner 2002 eingesetzt. Das waren bis zu 10 % oder 7.000 zusätzliche Mitarbeiter, ua auch reaktivierte Mitarbeiter und Werkstudenten.

Technische Umstellung

Zum Jahreswechsel 2001/2002 wurden österreichweit insgesamt mehr als 55 Mio Konten problemlos für die Kunden umgestellt. Für die Umstellung der Bankensysteme waren für den Zeitraum 1999 bis 2002 rund 625 Personenjahre an hoch qualifiziertem Personal wie Programmierer und Organisatoren erforderlich. Insgesamt bedeutet das etwa 1.400 Personenjahre für den Zeitraum ab 1995 bis 2002 allein in diesem Bereich.

Der Ansturm in den ersten Jännertagen 2002 war auch an der Zahl der Kontoauszüge erkennbar. Die Zahl der Kontoauszüge betrug allein am 2.1.2002 das 3-fache des an sich schon starken 2.1. des Vorjahres.

Euro-/Schilling-Logistik

Zur Abwicklung der Vorverteilung wurde eine eigene Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Kreditwirtschaft eingerichtet, welche die Planung und Logistik abwickelte (ARGE Euro-Logistik). Euro-Banknoten und -münzen im Wert von mehr als 10 Mrd EUR (ca 140 Mrd ATS) wurden vorverteilt. Diese vorverteilte Bargeldmenge hatte ein Gewicht von 6.200 Tonnen. Durch die ARGE Euro-Logistik der Banken wurden ca 6.700 Bankfilialen und Postämter versorgt. Es waren 14.200 Stops zusätzlich zum Normalgeschäft erforderlich, um diese enorme Menge zu verteilen.

Eine wesentliche Aufgabe stellt auch die Schilling-Rückführung dar. Von den erwarteten ca 3,2 Mrd Stück Schilling-Münzen wurden von Banken vom 1.1.2001 bis 7.2.2002 bereits 2,1 Mrd Stück abgeliefert. An Spitzentagen im Jänner 2002 betrug die Schillingeinlieferung durch die Banken das 8-fache der sonst üblichen Mengen.

Bargeldloses Zahlen

Die Zahl der Bankomatkassen-Terminals und damit die Möglichkeit für die Kunden bequem bargeldlos zu zahlen, konnte seit 1.1.1995 von 2.400 auf 60.000 gesteigert werden, allein 2001 stieg die Zahl von 40.000 auf 60.000. Die Zunahme der Zahlungen mit Karte machte im Jänner 2002 gegenüber Dezember 2001 ein Plus von rund 47 % aus. Die Zahl der Quick-Transaktionen ist etwa gegenüber Dezember 2001 um das 4-fache gestiegen.

Information der Kunden

Entsprechend der Erwartung der Kunden erfolgte die Euro-Information aufgrund von Umfragen in erster Linie durch die heimischen Kreditinstitute. Im Lauf der Vorbereitung auf den Euro wurden die Kunden in insgesamt 26.000 Kundenveranstaltungen über die neue Währung informiert. Trotz dieser umfassenden Information und der ständigen Hinweise auf die geltenden Übergangsregelungen blieb der Ansturm auf die Banken zum Jahresbeginn 2002 nicht aus. So war am 2.1.2002 der Kundenverkehr um 80 % höher als am 2.1. des Vorjahres und betrug im Durchschnitt das 5-fache eines Weltspartages. Durchschnittlich jeder österreichische Haushalt (insgesamt 3,250.200) hat am 2.1.2002 ein Kreditinstitut besucht und eine Bargeldtransaktion an einer Kasse oder einem Geldausgabeautomaten durchgeführt.

GD Dr. Rothensteiner und Syndikus Dr. Pichler berichteten in einer Presse-
konferenz über die erfolgreiche Euro-Umstellung.

600 Mio EUR Kosten

Insgesamt haben die Kreditinstitute ca 600 Mio EUR (ca 8,3 Mrd ATS) an Kosten für die Einführung zu tragen. 45 % davon entfallen auf die Bargeldeinführung, also den Zeitraum 1999 bis 2002, 55 % auf die Vorbereitung bis zum 1.1.1999. Inbegriffen sind der kostenlose Umtausch Schilling/Euro und die kostenlose Umstellung von 55 Mio Konten sowie die umfassende Kundeninformation.

Daß die Bevölkerung noch Ende 2001 die Umstellung als schwierig beurteilte (58 %) und nun nach den neuesten Umfrageergebnissen aber 2/3 die Umstellung als eher leicht empfinden, spricht dafür, daß es in Österreich durch rechtzeitige Vorbereitung und den großen Einsatz der Kreditwirtschaft sowie gute Kooperationen gelungen ist, einen „sanften Übergang" auf die gemeinsame europäische Währung sowohl für die heimische Bevölkerung als auch die Wirtschaft durchzuführen.

Dr. Walter Rothensteiner ist Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich.