Thema: Euro

Euro-Vorverteilung läuft planmäßig!

Dir. Helfried Marek, Heft 10/2001

Am 10. September 2001 hat die Euro-Vorverteilung an die österreichischen Banken begonnen.
In Österreich werden bei der Vorverteilung rd 10 Mrd Euro an Banken, Unternehmen und Konsumenten weitergegeben, das sind rd 70% des derzeitigen ATS-Bargeldumlaufs in Österreich (rd 120 Mrd ATS).

Es ist also gewährleistet, daß jeder Österreicher zeitgerecht jene Euro-Bargeldmenge bekommt, die er benötigt. Insgesamt werden 250 Mio Euro-Banknoten und 1,1 Mrd Stück Euro-/Cent-Münzen in Umlauf gebracht; darunter auch 750.000 Startpakete für Unternehmen sowie 6,1 Mio Startpakete für Private.

Ausgeklügelte Logistik

In einem ausgefeilten Logistikkonzept konnte die Euro-Vorverteilung in die normale Logistik der Geldtransporte integriert werden. Sämtliche Geldtransporte im Rahmen der Euro-Vorverteilung werden von der Exekutive begleitet und abgesichert. In 18 Monaten Arbeit wurde für die Vorverteilung des Euro-Bargelds sektorübergreifend ein detailliertes Logistikkonzept ausgearbeitet, in dem jede einzelne Bankstelle - immerhin rd 7.600 (das sind 9.000 Stopps) - Berücksichtigung findet. Raiffeisen-Vertreter haben sich in diese Konzeption voll eingebracht und für die Raiffeisenbanken eine ausgezeichnete Lösung erreichen können.

Diese ausgeklügelte Feinlogistik sowie die Involvierung zahlreicher Partner - Banken, OeNB, GSA, Securitas und Post - haben jedoch zur Folge, daß nunmehr keine Änderungswünsche hinsichtlich Tourenplanung bzw Zeitpunkt der Anlieferung des Euro-Bargeldes mehr berücksichtigt werden können. Dieser Schritt ist notwendig, um eine reibungslose Bargeld-Einführung in Österreich nicht zu gefährden. Bis dato hat dieses System jedenfalls perfekt funktioniert und wir sind überzeugt, daß die so professionell geplante Euro-Bargeldeinführung in unserem Land den erwarteten Projekterfolg bringen wird.

Richtiger Umgang mit vorverteiltem Bargeld

Die neuen Euro-Banknoten sind zur Gänze ein Produkt „Made in Austria". Nach dem Design (Robert Kalina/OeNB) erfolgte auch der Druck für den heimischen Bedarf in Österreich.

Bereits 67% der österreichischen Bevölkerung sind der Meinung, daß die Einführung des Euro sinnvoll ist. 63% der Befragten gaben an, sich bereits aktiv über die gemeinsame europäische Währung informiert zu haben. Nichtsdestotrotz müssen wir uns in den letzten Wochen bis zur Bargeldeinführung verstärkt um jene Kunden bemühen, die sich bis dato noch nicht ausreichend mit dem neuen Bargeld beschäftigt haben.

Mir ist bekannt, daß bereits vielerorts Kundenveranstaltungen durchgeführt werden. Aus gegebenem Anlaß muß ich jedoch daran erinnern, daß die Verteilung von Euro-Münzen (bis 15. Dezember 2001) und Euro-Banknoten (bis 1. Jänner 2002) an Private ausnahmslos untersagt ist. Selbst bei Schulungs- und Informationsveranstaltungen für Kunden, diversen „Euro-Events" oder dergleichen ist es nicht gestattet, Euro-Münzen und -Banknoten zu verteilen. Sollte bei derartigen Veranstaltungen Schulungsbargeld zu Anschauungszwecken verwendet werden, so ist stets darauf zu achten, daß die Münzen und Banknoten den Einflußbereich des zuständigen Bankmitarbeiters nicht verlassen und sich Personen des neuen Bargeldes nicht bemächtigen können. Kommen - aus welchem Grund auch immer - Euro-Münzen und/oder -Banknoten abhanden, ist umgehend mit der Raiffeisenlandesbank Kontakt aufzunehmen. Die Landesbank wird in der Folge die notwendigen Schritte einleiten.

Ich erinnere daran, daß die OeNB ein Pönale bei Nichteinhaltung des Verteilungsverbotes an Private verhängen kann. Zudem ist die OeNB berechtigt, jederzeit - auch unangekündigt - eine Bestandsprüfung bei der Raiffeisenbank durchzuführen. Im worst case ist es der OeNB sogar gestattet, jene Raiffeisenbank, die gegen das Verteilungsverbot verstoßen hat, von der Vorverteilung auszuschließen und den eventuell bereits vorverteilten Euro-Bestand wieder einzuziehen. Ich bitte daher um unbedingte Einhaltung der im Zuge der Euro-Bargeldeinführung mit EZB und OeNB getroffenen Vereinbarungen und ersuche um entsprechende Information aller am Euro-Projekt beteiligten MitarbeiterInnen.

ATS-Münzen-Rücklauf

Für uns Banken wird die ATS-Münzen-Rückführung jedoch eine noch größere Herausforderung als die Euro-Bargeldeinführung selbst: 3 Milliarden Stück Schilling-Münzen (Wert rd 300 Mio ATS; die Hälfte davon sind 10-Groschen-Stücke) mit einem Gesamtgewicht von 6.000 Tonnen müssen rückgeführt werden! Es ist damit zu rechnen, daß in den rücklaufstarken Wochen um den Jahreswechsel 2001/2002 (vgl Abbildung) im Vergleich zu jetzt zum Teil bis zu 30-fache Münzmengen pro Bankstelle anfallen. Größere und stark frequentierte Banken werden in diesen Tagen täglich ein Münzgewicht bis zu 1 Tonne handeln müssen. Unsere Experten werden jedoch alles unternehmen, daß auch für diese Herausforderung eine für die Raiffeisenbanken ebenso gute Lösung wie bei der Euro-Vorverteilung zustande kommt. Mitte Oktober 2001 wird ein umfassendes Logistikkonzept zur ATS-Rückführung vorliegen.

Dieses Logistikkonzept wird jedoch nicht die einzige Maßnahme zur ATS-Münzen-Rückführung bleiben. Im Hinblick auf die logistische Herausforderung bei der Rücknahme des Schilling-Bargeldes haben sich alle Bankenverbände mit der OeNB auf gesonderte Aktivitäten für eine vorzeitige Rücknahme der Schilling-Münzbestände aus den österreichischen Haushälten verständigt. Die hiefür abgeschlossene Vereinbarung hat für alle Mitglieder Empfehlungscharakter und gilt für den Zeitraum 1. September bis 28. Dezember 2001. So soll auch mit Spezialkonditionen („Nulltarif") für nachstehende Bankdienstleistungen ein möglichst großer Anteil der in den Haushalten vorhandenen Münzbestände vorzeitig rückgeholt werden:

- Kostenloese Einzahlung von Schilling-Münzen auf Giro- und Sparkonten.
- Kostenlose Verwendung von Münzeinzahlungsgeräten (Münz-SB-Geräten).
- Gebührenfreie Umwechslung von Schilling-Münzbeträgen gegen Schilling-Banknoten und Münzrestgeld.

Die OeNB begleitet diese Aktion mit einer umfassenden Rahmenkampagne („Ich will nachhause!") für österreichische Printmedien sowie für den ORF (Fernsehen und Hörfunk).

„Gib Deinen Münzen eine Chance"

Die privaten Haushalte haben aber auch die Möglichkeit, ihre „Gurkenglas-Schillinge" für einen caritativen Zweck zu spenden. Gemeinsam mit BP, Licht ins Dunkel und dem Österreichischen Roten Kreuz hat die Raiffeisen Bankengruppe die größte Sammlung „alter" Münzen im Rahmen der Euro-Bargeldeinführung gestartet. Das Motto lautet: „Gib Deinen Münzen eine Chance - Spende für Menschen in Not". Das gesammelte Geld kommt über Licht ins Dunkel der Spontanhilfe des Österreichischen Roten Kreuzes zugute. Europäisches „Klimpergeld", das von Reisen übriggeblieben ist und Schillinge, die in Gurkengläsern und Schubladen aufbewahrt werden, können außer in den teilnehmenden Raiffeisen-Bankstellen auch bei allen BP-Tankstellen abgegeben werden. Die Teilnahme an dieser caritativen Aktion steht jeder Raiffeisen-Bankstelle nach wie vor offen, auch wenn diese nicht von Anfang an dabei war. Die Sammelaktion läuft noch bis April 2002.

Daß derartige Aktionen nicht nur der „guten Sache", sondern auch uns Banken zugute kommen, hat die Sommeraktion mit den Schulen und dem Österreichischen Jugendrotkreuz klar verdeutlicht. Seit Juni 2001 ist nämlich sowohl ein verstärkter Schilling-Münzen-Rücklauf zur GSA/Münze Österrich (rd 150 Mio Stück) als auch eine Abnahme bei der Schilling-Münzen-Bestellung durch Banken (-110 Mio Stück gegenüber Vorjahr) feststellbar. Ich rufe daher nochmals alle Raiffeisen-Bankstellen zur regen Beteiligung an der Aktion „Gib Deinen Münzen eine Chance - Spende für Menschen in Not" auf. Interessierte können sich unter der e-mail-Adresse „roteskreuz" („roteskreuz" genügt, um von einem „Raiffeisen-PC" aus automatisch auf den richtigen Pfad zu gelangen) bei dieser Aktion anmelden.

Euro - starke Währung

Unser neues Bargeld wird eine starke Währung sein! Der Euro wird die Stabilität der europäischen Wirtschaft weiter erhöhen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas steigern. Die Analysten der RZB erwarten den Euro zum Jahresende 2001 mit 0,93 USD. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß sich dieser Aufwärts-Trend 2002 fortsetzt (vgl Abbildung). Wir rechnen zum Jahresende 2002 sogar mit einem Gleichstand zum Dollar (Parität). Der Hauptgrund liegt insbesondere darin, daß unsere Experten für die Euro-Zone im kommenden Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum als für die USA prognostizieren. Eine solche Entwicklung des Euro würde dann hoffentlich auch die letzten Skeptiker von der Stärke sowie der wirtschaftlichen wie politischen Bedeutung der europäischen Einheitswährung überzeugen. Wünschen wir dem Euro und Europa diesen erfolgreichen Start!



Dir. Helfried Marek ist Vorstandsmitglied der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (Investment Banking, Treasury) und Euro-Beauftragter der Raiffeisen Bankengruppe Österreich sowie der RZB.