Thema: Euro

Euro-Vorbereitungen bei Raiffeisen voll im Plan

Dir. Helfried Marek, Heft 2/2001

Ab 1. Jänner 2002 gilt Euro-Bargeld für rd 300 Millionen Menschen in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion als gesetzliches Zahlungsmittel. Auch wenn viele Umfragen und Untersuchungen nahelegen, daß zahlreiche Unternehmen, Institutionen und Bürger bei der Vorbereitung auf die neue Währung im Rückstand sind, laufen die Vorbereitungen der Raiffeisen Bankengruppe Österreich (RBG) im Hinblick auf Konten-, Bilanzwährungs- und Bargeld-umstellung sowie Kundeninformation planmäßig. Trotzdem muß das Jahr 2001 auch in der RBG intensiv genutzt werden, um die notwendigen Maßnahmen weiter zu unterstützen und den technischen Umstellungsaufwand bewältigen zu können. Es muß Aufgabe einer jeden Raiffeisenbank sein, während der Übergangszeit bis zur Ausgabe von Euro-Banknoten und -Münzen den Wirtschaftsakteuren bei der Vorbereitung auf die Bargeldumstellung kompetent zu helfen und den Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich zeitgerecht an die neuen Preise und Werte zu gewöhnen. Hinsichtlich dieses Informationsbedarfs der Bevölkerung unterstützt die RBG die vorgesehenen Aktivitäten von OeNB, Euro-Initiative der Bundesregierung, Wirtschaftskammer Österreich sowie der STUZZA (Studiengesellschaft für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr) durch die Ausgabe deren Informationsmaterial. Ergänzend hiezu stellt die RBG aber auch - bundesweit wie regional - eigene Unterlagen zur Verfügung.

Organisation

Es ist der RZB ein großes Anliegen mitzuhelfen, den notwendigen Umstellungsprozeß für die gesamte Bankengruppe so reibungslos wie nur möglich zu gestalten. Daher wurden bereits in der Phase I der Euro-Umstellung (bis 1.1.1999) - bundesweit wie RZB-intern - jene organisatorischen Maßnahmen getroffen, die damals zu einem reibungslosen Übergang zur Euro-Währung geführt haben und auch 2001/2002 eine unproblematische Euro-Bargeldeinführung gewährleisten werden.

Alle österreichischen Banken versuchen, über die STUZZA gemeinsam mit der OeNB die notwendigen Arbeiten zur Euro-Bargeldeinführung zu optimieren. In einem Lenkungsausschuß und sechs untergeordneten Projektgruppen (vgl Abbildung 1) erarbeiten kompetente Vertreter aller österreichischen Banksektoren Lösungen zu den anstehenden Herausforderungen. Mit Dezember 2000 hat Dir. Karl Grünberger von der RZB die Leitung des STUZZA-Lenkungsausschusses übernommen. Damit ist ein Vertreter der Raiffeisen Bankengruppe Österreich in Sachen Euro erster Ansprechpartner für die OeNB, die Österreichische Bundesregierung sowie die Wirtschaftskammer Österreich.

Die in den STUZZA-Arbeitsgruppen gewonnenen Erkenntnisse und gefaßten Beschlüsse werden in monatlichen Sitzungen der Euro-Arbeitsgruppe der RBG auf die speziellen Herausforderungen und Notwendigkeiten unseres Sektors umgesetzt. In dieser Arbeitsgruppe ist jedes Bundesland mit dem Euro-Verantwortlichen aus der jeweiligen Raiffeisenlandesbank vertreten (vgl Abbildung 2); das Gremium ist um Experten aus der RZB, der RAK sowie dem Rechenzentrum Wien ergänzt. Die Koordination obliegt Mag. Johannes Schuster, RZB.

Kontenumstellung

Auch wenn die Europäische Kommission empfiehlt, Bankkonten und damit verbundene bargeldlose Zahlungsmittel bereits Anfang des 3. Quartals 2001 von der nationalen Zahlungseinheit auf Euro umzustellen - sofern der Kunde nicht ausdrücklich etwas anderes wünscht -, versichern unsere IT-Verantwortlichen, daß in der Raiffeisen Bankengruppe alle bestehenden Kundenkonten rein technisch auch vom 31.12.2001 auf 1.1.2002 umgestellt werden können. Eine Umstellung der Privatkundenkonten vor dem 31.12.2001 ermöglicht jedoch eine längere Eingewöhnungsphase auf den Euro.

Firmenkunden ist allerdings dann der Umstieg auf Euro-Konten zu empfehlen, sobald sie ihre interne Buchführung auf Euro umgestellt haben. Ebenso wie alle Privatkonten werden auch sämtliche Firmenkonten in der Nacht auf 1. Jänner 2002 automatisch und gebührenfrei auf Euro umgestellt.

Hinsichtlich des bestehenden Doppelausweises auf Raiffeisen-Kontobelegen hat das Fachgremium Marketing (FGM) der RBG in seiner Sitzung am 13.12.2000 die Entscheidung getroffen, diesen bis zum 30. Juni 2002 weiter zu führen, sofern kein anderer Termin in den laufenden Diskussionen geeigneter erscheint. Dies wird vor allem mit der erforderlichen Kundenunterstützung bei der Umstellung von Schilling auf Euro begründet, die auch nach dem 28.2.2002 erfolgen muß.

EDIFACT

Die österreichischen Banken und Kreditinstitute - so auch die Raiffeisen Bankengruppe - haben die Umstellung auf den Euro zum Anlaß genommen, den elektronischen Zahlungsverkehr auf eine neue Basis zu stellen und so die Voraussetzungen für verbesserte Serviceleistungen an Wirtschaft und öffentliche Verwaltung zu schaffen und diesen dadurch zusätzliches Rationalisierungspotential zu eröffnen. Das 25 Jahre alte, österreichische Datenformat für elektronische Zahlungsaufträge - im Fachjargon „V2" genannt - wurde durch den internationalen Standard „EDIFACT" („V3") abgelöst.

Unternehmen, die uns Zahlungsaufträge derzeit noch im alten V2-Format liefern, können diese, wenn sie auf ATS lauten, nur noch bis 31.12.2001 anliefern. Nach diesem Datum gibt es jedoch keine ATS-Zahlungsaufträge mehr, sondern nur mehr in EUR. Damit wird die Verwendung der EDIFACT-Formate (V3) auch für alle Unternehmen erforderlich.

In Schilling lautende Aufträge kann man natürlich auch im neuen EDIFACT-Format (V3) absetzen und somit die Formatumstellung zeitlich vor die Umstellung des Rechnungswesens auf Euro durchführen.
Es wird notwendig sein, unsere Kunden dahingehend zu sensibilisieren, haben sich doch alle österreichischen Banken auf eine sehr konsequente Auslegung dieser neuen Bestimmung in der Praxis geeinigt. Um den erforderlichen Umstellungsprozeß zu unterstützen, wurden mittlerweile alle im Sektor bekannten Softwarefirmen, die noch V2-Datenträger anbieten, im RIZ gelistet. Diese Firmen werden in der Folge von RBG-Experten kontaktiert.

Bilanzwährungsumstellung

Die RZB wird mit 24. Mai 2001 - und damit als erstes Institut in der Raiffeisen Bankengruppe Österreich - die Bilanzwährungsumstellung durchführen. Die Bundesländer werden sukzessive folgen und die in den einzelnen, bereits umgestellten Instituten gewonnenen Erkenntnisse für ihre Arbeiten nutzen.

Aus IT-Sicht stellen die verschiedenen Umstellungszeitpunkte der Bilanzwährung im Sektor keine Probleme dar.

Euro-Bargeldeinführung

Die Euro-Bargeldeinführung bedeutet zweifelsohne die größte Herausforderung im Zuge der Euro-Phase II. Allein für die österreichische Bevölkerung müssen für den Erstbedarf 340 Millionen Euro-Banknoten und 1,5 Milliarden Euro-Münzen bereitstehen. Speziell die Raiffeisen Bankengruppe mit ihren rd 650 selbständigen Raiffeisenbanken und 1.800 Bankstellen wird besonders gefordert sein. Dies umso mehr, nachdem erste Berechnungen und Bestellungen der Euro-Vorverteilungsmengen ergeben haben, daß die RBG rund 40 % der gesamten österreichischen Euro-Bargeldumstellung bewältigen wird müssen. Dies ist Herausforderung und Verantwortung zugleich!
Gemeinsam mit den Raiffeisenlandesbanken sind wir zurzeit dabei, ein übersektorales Geldlogistikkonzept zu entwickeln, um die Kosten für die einzelnen Banken zu minimieren. Im Sinne der Raiffeisenbanken haben wir auch bei der OeNB und in der STUZZA durchgesetzt, daß 2001 nur mehr eine Euro-Bestellmengen- und Datenerhebung durchgeführt wird, und nicht wie ursprünglich geplant zwei (vgl. Abbildung 3), ist doch speziell für die RBG ein gewissenhafter Erhebungsprozeß mit enormen Aufwendungen verbunden.

Im Oktober und November 2000 hat das Institut für Empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der STUZZA bei 2.000 österreichischen Haushalten sowie 1.000 Unternehmen und 50 Großunternehmen eine repräsentative Befragung durchgeführt. Ziel dieser Erhebung war es, Informationen über die räumliche und mengenmäßige Verteilung von Bargeldbeständen in Österreich und damit Basisdaten zum Szenario „Schilling-Rückführung" zu gewinnen.

Insgesamt lagern mehr als 22 Mrd ATS bei Privaten und Unternehmen (nicht inkludiert sind in dieser Zahl die Kassenbestände im Handel). Was für die Bargeldeinführung gilt, hat natürlich auch für die ATS-Rückführung (470 Millionen Stück Schilling-Banknoten, rd. 3 Milliarden Stück Schilling-Scheidemünzen) seine Gültigkeit: Die erfolgreiche Bewältigung dieser Aufgabe wird zum Großteil von der Raiffeisen Bankengruppe abhängen. Dieser Umstand macht es notwendig, unsere Kunden zu motivieren, ungenützte Bargeldbestände schon vor Ende Dezember 2001 auf ein Konto einzuzahlen, um den Umtausch zu erleichtern. Die österreichischen Banken werden daher in der Weltsparwoche 2001 eine gemeinsame Aktion zur vorzeitigen Auflösung von Hortungsbeständen durchführen. Die Kreditinstitute hoffen damit auf signifikante Mengen, um die Situation Anfang 2001 möglichst zu entspannen.

31.12.2001/1.1.2002

Noch offen ist, ob alle Banken am 31. Dezember 2001, einem Montag, wegen der Euro-Umstellung geschlossen bleiben. Die RBG überlegt zurzeit noch für diesen Tag ein zeitlich und umfangmäßig beschränktes Offenhalten ihrer Bankstellen. Außer uns hegen diesbezüglich jedoch nur die Postämter ähnliche Überlegungen, alle anderen Sektoren werden die Geschäftsstellen voraussichtlich geschlossen halten.

Am Dienstag, 1.1.2002, werden alle Banken geschlossen bleiben. Hinsichtlich der Euro-Ausgabe an Firmenkunden soll jedoch bei bilateraler Einigung Flexibilität gelebt werden können.

Wir werden versuchen, für möglichst alle Probleme in enger Abstimmung mit den Euro-Verantwortlichen der Raiffeisenlandesbanken Lösungen zentral vorzubereiten. Nichtsdestotrotz bleiben eine Vielzahl von Aufgaben übrig, die regional oder lokal erledigt werden müssen (Versicherungsfragen, geeignete Lagerflächen für Gebinde, Befüllung der Geldausgabeautomaten etc). Insbesondere die zeitgerechte Befüllung der Geldausgabeautomaten mit Euro in der Silvesternacht wird die eine oder andere Raiffeisenbank vor größere organisatorische Herausforderungen stellen. Es werden alle Bankomaten mit 100 EUR und 10 EUR bestückt, wobei der jeweils erste 100er immer in 10er-Noten ausgegeben wird. Bei Geldausgabeautomaten liegt es im Ermessen jeder einzelnen Bank, die Bestückelung festzulegen, wobei wir empfehlen, genügend kleine Stückelungen vorzusehen.
Bei den Euro-Banknoten gibt es einen Beschluß des Ecofin-Rates, daß eine Ausgabe erst ab 1. Jänner 2002 zulässig ist. Daher erwarten einige Experten in der Silvesternacht 2001/2002 einen Ansturm auf die Geldausgabeautomaten. Derzeit ist vorgesehen, daß in den Banken und Postämtern ab 15. Dezember 2001 Startpakete für Private im Wert von 200 ATS (14,54 EUR) verkauft werden, die aber nur aus Münzen bestehen.

Duale Phase

Der Umtausch von ATS auf EUR wird in der Auslaufphase des Schillings (1.1.2002 bis 28.2.2002) für Konsumenten bis zu einer Höhe von 50.000 ATS kostenlos sein. Damit ist der Bedarf für einen Großteil der Bürger abgedeckt. Ein generell kostenloser Bargeldumtausch in unbegrenzter Höhe ist nicht vorgesehen und würde von der RBG auch nicht unterstützt werden. Weitergehende Regelungen erscheinen uns auch aus Sicherheitsgründen nicht sinnvoll. Wir empfehlen daher unseren Kunden, den Umtausch von ATS in EUR über das Bankkonto durchzuführen, dh der Kunde zahlt seine ATS-Bestände auf sein Konto ein, die Raiffeisenbank nimmt zum Ultimo 2001/2002 die kostenlose Konvertierung in Euro vor.

Es ist wichtig, daß jede einzelne Raiffeisenbank mitwirkt, das Bewußtsein über die bevorstehende Aufgabe der Euro-Bargeldeinführung zu stärken und den Informationsstand bei Kunden und Konsumenten zu verbessern, damit die Vorbereitung auf die Umstellung noch zügiger voranschreitet. Aber auch für die Raiffeisenbanken selbst wird die Einführung des Euro-Bargelds eine der größten organisatorischen, logistischen und sicherheitsmäßigen Herausforderungen mit sich bringen. Entsprechende Informations- und Schulungsmaßnahmen sind daher auch für unsere Mitarbeiter unerläßlich.

Gute Vorbereitung

Die Einführung des Euro als unser neues Bargeld ist in unserer Gruppe bereits jetzt sorgfältig vorbereitet. Die Raiffeisen Bankengruppe Österreich wird zu einem Großteil den Erfolg der Euro-Bargeldeinführung mitbeeinflussen können. Wenn es uns gelingt, in den nächsten Monaten auch die letzten noch offenen Euro-Themen (zB Feinlogistik, Besicherung der vorverteilten Euro-Bargeldmengen bei der OeNB etc) im Verbund gemeinsam und pragmatisch zu lösen, steht diesem Erfolg nichts mehr im Wege.

Dir. Helfried Marek ist Vorstandsmitglied der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) sowie Euro-Beauftragter der Raiffeisen Bankengruppe Österreich und der RZB.